Schutz der Dünenlebensräume

Die Küstenlebensräume von St. Peter-Ording stellen einen einzigartigen Hotspot der Artenvielfalt mit einer Vielzahl seltener Arten dar. Nicht alle dieser Lebensräume sind jedoch in einem guten Zustand: Besonders in den Dünen hinter dem Deich haben sich mehrere Verschlechterungen eingestellt:  Dort fehlt der Einfluss der Naturkräfte und die Lebensräume wurden durch den Deich und die umliegende Infrastruktur zerschnitten. Zusätzlich bedrohen Nadelgehölze und invasive Pflanzenarten die Artenvielfalt in den Dünen. Zukünftig könnte sich auch der Klimawandel negativ auf die Flächen auswirken. Aufgrund dieser Herausforderungen sind Wiederherstellungs- und Aufwertungsmaßnahmen notwendig, um diese Lebensräume langfristig zu erhalten.


Ziel: Mehr Natürlichkeit und Artenvielfalt

Große Teile der Küstenlebensräume von St. Peter-Ording sollen in ihrer Natürlichkeit verbessert, in ihrem Erhaltungszustand in einen „sehr günstigen“ Zustand erhöht sowie ihre Vernetzung verbessert werden, um die standorttypische Artenvielfalt langfristig zu bewahren bzw. wiederherzustellen.

© Martin Stock

Dünen offenhalten

Umliegende Siedlungen und der Wald haben den Einfluss der Naturkräfte auf die binnendeichs gelegenen Dünenflächen stark reduziert. Eine Folge: Es fehlen offene, sandige Flächen. Durch gezielte Offenhaltungsmaßnahmen wird die Naturnähe der Flächen nun wieder erhöht. Dazu wird auf einigen Dünenflächen kleinflächig die geschlossene Vegetationsdecke abgetragen, um offene Sandflächen als neuen Wuchsort für Dünenpflanzen herzustellen.

Durch die Offenhaltungsmaßnahmen soll zudem auch das invasive Kaktusmoos, das sich in einigen Abschnitten bereits großflächig auf den Dünen ausgebreitet hat, zurückgedrängt werden. Darüber hinaus werden gezielt Gehölze, beispielsweise Kiefern, die Kartoffelrose und die eingeschleppte Spätblühende Traubenkirsche, aus den offenen Dünenflächen entfernt.

© Rabe Landschaften

© Sabine Gettner

Aufwertung von feuchten Dünentälern

In binnendeichs gelegenen Dünentälern sollen insbesondere die Cranberry als invasive Pflanzenart zurückgedrängt und aufkommende Gehölze entfernt werden. Plaggmaßnahmen mit dem Bagger vertiefen die Dünentäler, um die hydrologischen Bedingungen und lückige Feuchtstandorte für seltene bzw. verschollene Arten der feuchten Dünentäler zu schaffen. Dies reaktiviert auch im Boden liegende Pflanzensamen zuvor verdrängter Arten, z.B. des Rundblättrigen Sonnentaus (links im Bild). Im Ergebnis entstehen durch die vertieften, vegetationsärmeren Dünentäler temporär auch mögliche Laichgewässer für die gefährdete Kreuzkröte.

Maßnahmen: Abtrag der oberen Bodenschicht, Entfernung der invasiven Cranberry.

© Rabe Landschaften

Vernetzung der Flächen verbessern

Die aktuell stark zergliederten Dünenflächen sollen durch Vernetzungsmaßnahmen besser verbunden werden. Dazu werden lichte Vernetzungskorridore durch die Waldflächen angelegt. Diese Korridore erfüllen gleich drei Ziele: Sie verbinden offene Dünenflächen miteinander, sie können als Bewirtschaftungsgassen für Waldarbeiten genutzt werden und sie stellen Brandschutzschneisen dar. Zusätzlich sollen im Projekt Konzepte entwickelt werden, wie man die Vernetzung auch über Straßen oder den Deich hinweg verbessern kann.

© Rabe Landschaften

© Andreas Klinge

Hilfsmaßnahmen für seltene Arten

Durch die Veränderungen in den Dünen sind einige Tier- und Pflanzenarten zunehmend selten geworden. Ein wichtiger Schritt zum Erhalt dieser Arten ist die Wiederherstellung ihres Lebensraums. Einzelne Arten, beispielsweise die Zauneidechse, mit besonders kleinen Populationen sollen im Projekt zusätzlich mit speziellen Maßnahmen gefördert werden.

Die Zauneidechse wurde zuletzt in den Dünenflächen von St. Peter-Ording kaum noch nachgewiesen. Als streng geschützte Art soll die Zauneidechse dort jedoch auch zukünftig erhalten bleiben. Durch die Schaffung von offenen Sandflächen sowie Sonnen- und Versteckmöglichkeiten soll sie gezielt gefördert werden. Zudem wird die Größe der Population durch eine Bestandsanalyse untersucht. Sollte sich die Population als zu klein bzw. als auf Dauer nicht stabil erweisen, wäre ggf. ein Zucht- bzw. Wiederansiedlungsprogramm denkbar.

Maßnahmenerfolge durch Beweidung nachhaltig sichern?

Auch nach Ende des Projektes werden in den offenen Dünenflächen weiterhin Maßnahmen notwendig sein, um die Strukturvielfalt und Vernetzung der Flächen zu bewahren. Eine Methode dafür ist eine extensive Beweidung (z.B. durch Rinder, Ziegen oder Schafe), wie sie in St. Peter-Ording bis in die 1950er Jahre etabliert war. Aufbauend auf den Erfahrungen anderer Naturschutzprojekte zur Beweidung von Dünenflächen wird untersucht und erprobt, ob und in welcher Form Beweidung in St. Peter-Ording zur Dünenpflege eingesetzt werden kann. In einer Erprobungsphase weiden seit Mai 2024 robuste Ziegen und Schafe hinterm Deich. Ziel ist es, invasive Pflanzen zurückzudrängen und wieder offene Sandlebensräume für heimische Dünentiere und -pflanzen zu schaffen (weitere Informationen zur Beweidung).

Maßnahme: Beweidung binnendeichs gelegener Dünenflächen durch Ziegen und Schafe. © Rabe Landschaften
Ziegen und Schafe pflegen die offenen Dünen © Jannes Fröhlich

Durchführender Projektpartner & Ansprechpartner

Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt
Patras Scheffler (Revierförster)

Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V.
Sabine Gettner

WWF Deutschland, Wattenmeerbüro
Jannes Fröhlich, Berenike Hansen, Dr. Annkatrin Weber & Anja Piening

Kontakt

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