Maßnahmenbeginn: Wiederherstellung von offenen Dünen für Zauneidechsen und Insekten

Die ersten Dünenpflegemaßnahmen im Rahmen des Projekts Sandküste haben begonnen. Wir entnehmen u.a. Gehölze wie Kiefern, um Platz für heimische Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Das Team vom Deich- und Hauptsielverband (DHSV) Eiderstedt, das die Maßnahmen im Gelände durchführt, „entkusselt“ im Januar und Februar 2022 Dünenflächen südlich des Alten Badweges in St. Peter-Ording. „Der Pflege der Dünen und Heideflächen fühlt sich der DHSV als Flächeneigentümer besonders verpflichtet“, sagt Patras Scheffler, Revierförster vom DHSV.

Entkusselung: Entnahme von Nadelgehölzen

Als „Entkusselung“ bezeichnet man die Entnahme von Gehölzen – so genannter „Kussel“ – in Heide- oder Feuchtbiotopen. „Wir entfernen sich ausbreitende Gehölze auf den Dünenflächen von St. Peter-Ording, damit sich die Dünenpflanzen wieder vermehren können und Platz für Zauneidechsen, Insekten, Lungenenzian und viele andere heimische Tier- und Pflanzenarten entsteht“, erklärt Dr. Annkatrin Weber vom WWF.

Binnendeichs gelegene Düne in St. Peter-Ording: Nadelbäume, vor allem Kiefern breiten sich zunehmend auf früher offenen Dünenflächen aus (Foto: J. Fröhlich / WWF)

Warum aktive Schutzmaßnahmen für die heimischen Tiere und Pflanzen von St. Peter so wichtig sind, erläutert Sabine Getter, Biologin der Schutzstation Wattenmeer: „In den Dünen hinter dem Deich gibt es wegen fehlender Dynamik nicht mehr so viele offene, sandige Flächen wie früher“. Gegen Sandflug hatte man in früheren Zeiten Bäume gepflanzt, vor allem Kiefern, die sich zunehmend auf den sandigen Dünenflächen ausgebreitet haben. Die Entkusselungsmaßnahmen helfen nun, die noch verbliebenen Dünenflächen weiterhin offen zu halten. Und dies ist dringend nötig, denn neben dem Verlust der natürlichen Dünendynamik bedrohen eingeschleppte Arten und die Auswirkungen der Klimakrise die besondere Natur von St. Peter-Ording.

Waldumbau zum klimastabilen, standorttypischen Eichenmischwald

Dünen und Wald, beides hat in St. Peter-Ording seinen Platz. Im Wald unterstützt das Projekt „Sandküste“ den laufenden Waldumbau von einem artenarmen Kiefernwald zu einem klimastabilen, standorttypischen Eichenmischwald. Dazu wurden Ende 2021 bereits 5.000 junge Eichen im Ordinger Wald gepflanzt. Weitere sollen folgen. “Der Klimawandel bereitet den Nadelholzwäldern heute schon Probleme und diese werden in den kommenden Jahrzehnten noch weiter zunehmen, insofern müssen die Wälder artenreicher und strukturreicher aufgebaut werden um diese Risiken zu streuen“, erläutert Revierförster Scheffler.

19.01.2022 © Projekt Sandküste St. Peter-Ording | Text: Jannes Fröhlich

Erfassung der Kreuzkröten in St. Peter-Ording

Die Kreuzkröte (Epidalea calamita), eine streng geschützte Amphibienart, gilt in Schleswig-Holstein als gefährdet. In St. Peter-Ording kommt die Kreuzkröte jedoch in einem ihrer wenigen ursprünglichen Lebensräume vor. Als Pionierart offener Lebensräume kann die Art dort vor allem während der Laichzeit in Strandseen und Tümpeln im Vorland nachgewiesen werden. Ihr charakteristischer Ruf ist in warmen, windstillen Frühlingsnächten weithin hörbar.

Ruf der Kreuzkröte

Von April bis Juni 2021 erfassen wir die Kreuzkrötenpopulation mit Unterstützung von Amphi Consult und Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer in St. Peter-Ording (siehe auch Monitoring von Tieren und Pflanzen im Projektgebiet). Bei Anbruch der Dunkelheit kartieren wir bei guten Bedingungen das Vorkommen der Amphibien anhand ihrer Rufaktivität und durch Sichtnachweise.

© Annkatrin Weber

Schwerpunkte der Zählung sind das Vorland und die Strandseen der Ortsteile Ording, Bad und Böhl. An Orten mit festgestellter Rufaktivität wird später tagsüber nach Laichschnüren und Kaulquappen gesucht.

Sie haben Fragen oder Hinweise zur Erfassung von Pflanzen und Tieren in St. Peter-Ording? Dann schreiben Sie uns über unser das Kontaktformular.

April 2021